Kandidatencheck zur Landtagswahl in Hessen

Das Diakonische Werk im Schwalm-Eder-Kreis und das Evangelische Forum Schwalm-Eder veranstalteten am 10. September in Homberg (Efze) einen „Kandidatinnen- und Kandidatencheck“ zur bevorstehenden Landtagswahl in Hessen zu den Themen „Leben. Wohnen. Arbeiten. Sozialpolitische Konzepte zur Landtagswahl“. Mit einem Schwerpunkt wurde „Das soziale Gesicht im Wohnungsbau“ betrachtet.

Dekan Christian Wachter, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werkes, eröffnete die Podiumsdiskussion mit einer Andacht. Für die Parteien diskutieren unter der Moderation von Pfarrer Dierk Glitzenhirn vom Evangelischen Forum Schwalm-Eder: Marcel Breidenstein (Landtagskandidat von Bündnis 90 / Die Grünen aus Gudensberg), Benjamin Giesen (Mitglied im Kreisvorstand der FDP aus Malsfeld), Regine Müller (MdL, SPD aus Schwalmstadt-Ziegenhain), Heidemarie Scheuch-Paschkewitz (Landesvorsitzende und Landtagskandidatin Die Linke Hessen aus Schwalmstadt-Treysa) und Matthias Wettlaufer (Landtagskandidat der CDU aus Ottrau). Als große Rahmenthemen wurden der demografische Wandel und die Sorge um Menschen mit kleinen Einkommen  diskutiert. Konkrete Maßnahmen, um Armut einzudämmen, blieben umstritten.

Gesprächsimpulse zu den Themen „Leben“, „Arbeiten“ und „Wohnen“ eröffneten die Diskussion. Diakoniepfarrerin Margret Artzt (Homberg) sprach in ihrem Impuls zum Thema „Leben“ davon, dass sie in einem Land leben wolle, das mit wirksamen Schritten gegen die Armut von derzeit immerhin 25 000 armutsgefährdeten Menschen im Schwalm-Eder-Kreis vorgehe.


Wolfgang Scholz, stellvertretender Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft (Homberg), führte in das Themengebiet „Arbeiten“ ein und unterstrich die großen Veränderungen, die in allen Arbeitsfeldern anstünden. Er verwies auf dem „Jobfuturomat“, bei dem sich jeder im Netz die anstehenden Veränderungen in seinem Berufsfeld anschauen können. https://job-futuromat.iab.de


Architekt Johannes Biskamp aus Willingshausen stellte heraus, dass im Schwalm-Eder-Kreis nach aktuellen Zahlen 395 günstige Wohnungen fehlten, allerdings bei der Wirtschaftsförderung des Kreises nicht ein Antrag auf Wohnungsneubau in diesem Bereich vorliege. Menschen der unteren Einkommen gingen derzeit auf dem Wohnungsmarkt der Region leer aus und es sei ernüchternd, dass vorhandene Förderprogramme von den Kommunen im Schwalm-Eder-Kreis nicht abgerufen würden. 


Zum Trend der sinkenden Bevölkerung auf dem Land gab es zahlreiche Ideen. Die Arbeitschancen auf dem Land wurden von Matthias Wettlaufer durch die Digitalisierung insgesamt künftig als hoch und flexibel eingeschätzt. „Die Bildung nimmt dabei eine Schlüsselfunktion ein“, betonte er. Eine gute Verkehrsinfrastruktur wurde von allen Kandidatinnen und Kandidaten Wert geschätzt. Benjamin Giesen unterstrich, künftig werde Mobilität auf dem Land durch autonomes Fahren stark verändert sein. Durch Personalkosteneinsparungen im Öffentlichen Personennahverkehr und den Einsatz von E-Mobilität werde sie günstiger sein als heute, was dem ländlichen Raum angesichts der Explosion der Mieten in den Ballungsräumen eine besondere Bedeutung gebe. Regine Müller trat für dezentrale Institutionen ein, Ämter und andere Arbeitsplätze müssten in kleinen Einheiten organisiert und erhalten werden, denn, so Müller:  „Zentralismus ist von gestern“. Regine Müller und Heidemarie Scheuch-Paschkewitz betonten die Bedeutung des Mindestlohns und der Armutsprävention durch auskömmliche Löhne, die auch auskömmliche Renten nach sich zögen. „Bezahlbarer Wohnraum ist ein Menschenrecht“, bezogen beide Position. Müller stellte zudem besonders die Armutsgefährdung von Familien und Alleinerziehenden heraus. Marcel Breidenstein hob die Bedeutung der intakten Nachbarschaften auf dem Land hervor, die dem ländlichen Raum in puncto Lebensqualität einen klaren Standortvorteil gäben. Mit dem Schülerticket habe die Landesregierung zudem die Möglichkeit für Schülerinnen und Schüler geschaffen, besonders mobil sein und am öffentlichen Leben teilhaben zu können. Ähnliches sei mit einem vergleichbaren Seniorenticket geplant, und das Hessenticket, das Jobticket für Landesbedienstete, sei bereits jetzt etabliert. Benjamin Giesen betonte, das Landleben lebe vom bürgerschaftlichen Engagement. „Wir müssen nicht alles vom Staat erwarten“, forderte er. Gemeinsam mit Matthias Wettlaufer bekannte er sich zu einer klaren Standortpolitik für den ländlichen Raum.


Bild: Diskutierten über das Leben, Arbeiten und Wohnen im ländlichen Raum (von links): Dekan Christian Wachter (Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Schwalm-Eder), Diakoniepfarrerin Margret Artzt, Heidemarie Scheuch-Paschkewitz (Landtagskandidatin, Landesvorsitzende Die Linke), Wolfgang Scholz (Stellv. Geschäftsführer Kreishandwerkerschaft), Regine Müller (MdL, SPD), Matthias Wettlaufer (Landtagskandidat, CDU), Marcel Breidenstein (Landtagskandidat, Bündnis 90 / Die Grünen), Benjamin Giesen (Kreisvorstand FDP), Architekt Johannes Biskamp, Pfarrer Dierk Glitzenhirn (Evangelisches Forum Schwalm-Eder). Foto: Diakonisches Werk Schwalm-Eder.

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